Beispiele guter Praxis

In der deutschen Bildungslandschaft lassen sich viele innovative Ansätze finden, wie internationaler Schüler- und Jugendaustausch nachhaltig an Schulen verankert werden kann und sich ein breiteres Spektrum von jungen Menschen für Austauschprojekte erreichen lässt. 

Manchmal lohnt es sich dafür, über nationale Grenzen hinweg zu schauen. Wir stellen sechs Beispiele vor, die inspirieren und zur Nachahmung einladen.

„USA for You“: Austausch für Haupt- und Realschüler

Das bewährte Austauschprogramm „USA For You“ richtet sich an Jugendliche, die im Bildungssystem oder in der Gesellschaft benachteiligt sind. Es umfasst, neben einer sorgfältigen Vor- und Nachbereitung für die Teilnehmenden und auch deren Eltern, einen zweiwöchigen Aufenthalt in den USA. Dort leben die Jugendlichen in Gastfamilien. Tagsüber engagieren sie sich gemeinsam in “Community-Service”-Projekten. Freizeitaktivitäten und ein Sprachkurs geben Einblicke in die Kultur des Gastlandes. Die Jugendlichen bewerben sich individuell, reisen aber in der Gruppe – begleitet werden sie von erfahrenen ehrenamtlichen Austauschexpert*innen. Das Programm wird vollständig finanziert, derzeit noch aus Mitteln der Robert Bosch Stiftung, aus Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums und der US-Botschaft sowie aus kommunalen Mitteln.

Aktuell wird es insbesondere in den neuen Bundesländern durchgeführt, aber auch die Stadt München hat die besondere Bildungswirkung des Programms erkannt und bietet es dort mit großem Erfolg für Mittelschüler*innen an. Organisiert wird es von gemeinnützigen Austauschorganisationen. Das Programm kann als Vorlage für ein parlamentarisches Austauschprogramm für austauschferne Zielgruppen dienen, z.B. als Initiative der Parlamente der Bundesländer. Vorbild für ein solches Landesparlamentarisches Patenschaftsprogramm wäre das bestehende PPP des Deutschen Bundestages .

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Hamburger Förderprogramm „Schulbesuch im Ausland“

Hamburg führt seit Jahren die Statistik bei den individuellen Auslandsaufenthalten von Schülerinnen und Schülern an. Ein Grund dafür ist das landeseigene Förderprogramm, das Familien einkommensabhängig mit bis zu 5.000 Euro unterstützt. Dazu müssen sie lediglich nachweisen, über eine Organisation oder direkt bei einer Schule im Ausland ein Auslandsschuljahr zu absolvieren. Diese Förderung bedeutet für den Bildungshaushalt in Hamburg keine zusätzliche Belastung, weil das Land faktisch Geld spart, wenn Schüler im Ausland lernen; denn diese Schüler werden für die Dauer des Auslandsaufenthaltes im Rahmen der Pro-Kopf-Finanzierung der Schulen nicht angerechnet.

Die Zuschüsse für das Austauschjahr sind in der Summe sogar geringer als der eingesparte Betrag. Die Familien erhalten einen Zuschuss und entscheiden selbst, welchen Anbieter sie für die Durchführung des Austauschprogramms wählen und welches Zielland für sie passt.

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Programm zur Förderung von Schüleraustausch an Bayerischen Mittelschulen

Der Bayerische Jugendring hat mit dem Projekt „Internationale Begegnung von Mittelschülerinnen und -schülern im Rahmen einer interkulturellen Projektarbeit“ im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus einen Ansatz entwickelt, um die Kooperation zwischen bayerischen Mittelschulen, ausländischen Partnerschulen, bayerischen Jugendbildungsstätten und vergleichbaren Einrichtungen im Partnerland zu fördern. Die Jugendbildungsstätten und ihre Partnereinrichtungen übernehmen dabei die pädagogische Konzeptarbeit und die konkrete Ausgestaltung des Programms.

Sie unterstützen so Mittelschulen, an denen internationale Gruppen- und Klassenaustausche tendenziell rückläufig waren. Schülerinnen und Schüler dieser Schulart erhalten so wieder eine Chance zur Teilhabe an Austauschprojekten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der interkulturellen Projektarbeit (Sport, Medien, Kunst und Musik), verbunden mit Betriebs- und Schulbesichtigungen.

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Schüleraustausch für ganze Jahrgangsstufen

Schon jetzt lösen einzelne Schulen den Anspruch ein, allen Schülerinnen und Schülern die Teilnahme an einem internationalen Schüleraustausch zu ermöglichen. Das Angebot des Rudi-Stephan-Gymnasiums in Worms umfasst beispielsweise Austauschfahrten aller neunten Klassen, einzelner Oberstufenkurse und Chor-Austausche mit einer der sechs Partnerschulen. Hinzu kommen Individualaustausche in den Programmen Romain Rolland und Anna Seghers des Landes Rheinland Pfalz. Das Gymnasium Blankenese in Hamburg hat projektgebundene Schüleraustausche mit Hin- und Rückbegegnungen als festen Bestandteil der Oberstufenprofile integriert.

Beispiele sind die Austausche zum Thema „Architektur und Stadtplanung nach ‘45“ mit Warschau im Rahmen des Profils „Kunst und Ästhetik“ oder zum Thema „Olympia in Geschichte und Gegenwart“ mit dem griechischen Marathon als Teil des Profils „Sport- und Gesundheit”. Die Gegenbesuche finden zeitgleich innerhalb der “Europawoche” am Gymnasium Blankenese mit ca. internationalen 150 Gästen statt. Beide Schulen verfügen über Funktionsstellen zu Koordinierung der Schulpartnerschaften.

Internationaler Austausch im Lehramtsstudium der FAU Erlangen-Nürnberg

Mit dem Projekt „FAU Lehramt International“ soll im Lehramts­studium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ein nachhaltiges Konzept der Internationalisierung der Lehrkräftebildung umgesetzt werden. Das wäre ein wichtiger Schritt, um Schüleraustausch bereits im Studium zum Thema zu machen und angehende Lehrkräfte zu motivieren: „Allen Lehramts­studierenden soll ein Angebot für internationale Erfahrungen gemacht werden. Internationalisierung in der Lehrkräftebildung wird durch Auslandserfahrungen (Mobilität) und durch internationalization at home sowie in den virtuellen Bildungsräumen (internetbasierte Studienangebote) erreicht.

Das Konzept sieht vor, dass Internationalisierungsaktivitäten in Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften implementiert werden. Darüber hinaus werden Kooperationen zwischen der ersten und der dritten Phase der Lehrkräftebildung (wie z.B. im Netzwerk „Internationalisierung von Bildung in der Metropol­region Nürnberg“) angestrebt“, heißt es auf der Website des Projektes .

Weitere Hinweise, wie Schüleraustausch zum Thema im Lehramtsstudium gemacht werden kann, finden sich in einer aktuellen Expertise von Dr. Claudia Ingrisch-Rupp und Dr. Ruth Michalek: www.austausch-macht-schule.org/fachbeitraege

Norwegische Strategie zur Internationalisierung des Bildungssystems

Als Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung und Förderung des multikulturellen Dialogs hat der Norwegische Staat eine Internationalisierungsstrategie formuliert und parallel dazu ein umfangreiches staatlichen Förderprogramm geschaffen. Sie setzen auf allen Ebenen der Schul-, Ausbildungs- und Universitätsbildung an.

Ausgangspunkt war im Jahr 2000 eine Bestandsaufnahme zur Inter­nationalisierung des nationalen Bildungssystems für das Norwegische Parlament, das Grundsätze für die Internationalisierung der Bildungspolitik von der Primarstufe bis zum Hochschulstudium enthielt. Die norwegische Strategie zielt auf die Formulierung globaler Kompetenzziele in den Lehrplänen, auf die Förderung individueller oder gruppen­bezogener Mobilität und internationale, fächerübergreifende Kooperationsprojekte.

Aktuell besteht die öffentliche Förderung für individuelle Mobilitäten aus einer Kombination von Zuschüssen und Krediten des staatlichen Fonds für Bildungskredite (Lånekassen). Durchgeführt werden die Austausche von den Schulen selbst oder von akkreditierten Austausch­organisationen. Die Maßnahmen haben seit 2001 zu einem deutlichen Anstieg von Teilnehmenden aus Familien mit geringer Bildung geführt.

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